Photovoltaik-Pflicht

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn eine breite Masse der Gesellschaft sich beteiligt. In vielen Bundesländern -so auch in Hamburg- wurde daher eine sogenannte „Photovoltaik-Pflicht“ eingeführt. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Photovoltaikpflicht in Hamburg – was man tun muss

Als Teil des Hamburger Klimaschutzgesetzes hat Hamburg hat als eines der ersten Bundesländer 2021 eine Photovoltaik-Pflicht beschlossen.
Seit 2023 müssen bei Neubauten PV-Anlagen errichtet werden. Ab 2025 gilt die PV-Pflicht dann auch bei einer (vollständigen) Dacherneuerung von bestehenden Gebäuden. Maßgeblich ist der Baubeginn.

Ausnahmen der Photovoltaik-Pflicht in Hamburg – die PV-Pflicht entfällt bei

Gebäude mit einer Brutto-Dachfläche unter 50 m²
Gebäude mit einer voraussichtlichen Restnutzungsdauer von unter 20 Jahren
Gewächshäuser, Zelte, Traglufthallen, unterirdische Gebäude, provisorische Bauten
Gebäude im Anwendungsbereich der Störfall-Verordnung (12. Bundes-Immissionsschutzgesetz)

Die PV-Pflicht in Hamburg entfällt auch, wenn

die Installation einer PV-Anlage technisch unmöglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist
besondere Umstände im Einzelfall zu einer unbilligen Härte führen würden
auf der Dachfläche stattdessen Solarthermische Anlagen errichtet werden und kein Platz mehr für PV-Anlagen übrig ist
Ebenso entfällt die PV-Pflicht, wenn öffentlich-rechtliche Pflichten ihr widersprechen.

Eignung eines Dachs für eine PV-Anlage

Das Dach sollte eine zusammenhängende Fläche haben von mindestens
20 m² bei Flachdächern (ein Neigungswinkel von bis zu 10° wird als Flachdach definiert)
10 m² bei Schrägdächern (mit Neigungswinkel ab 10°)
Die Flächen dürfen nicht durch notwendige Aufbauen oder technische Anlagen oder Zugangswege und Wartungsgänge belegt sein.

Das Gebäude muss statisch ausreichend tragfähig sein. Ein Modul wiegt ca 23 kg zzgl. Unterkonstruktion. Bei Flachdächern kommt häufig noch eine Ballastierung durch Steinplatten hinzu. Sollten auch nur annähernd Zweifel bestehen, muss ein Statiker hinzugezogen werden. Wenn das Dach nicht tragfähig ist, wäre die Installation technisch unmöglich, bzw. wirtschaftlich nicht vertretbar. Wirtschaftlich nicht vertretbar wäre es, wenn der Anteil der Systemkosten ohne Module und Wechselrichter, die notwendig wären, um die Pflicht zu erfüllen, 70% der Kosten der gesamten PV-Anlage übersteigt.
–> Die Kosten für die bauliche Ertüchtigung.

Die Ausrichtung des Daches ist i.d.R. kein Auschlusskriterium. Nur eine ausschließliche Nordausrichtung würde zu einem Ausschluss der PV-Pflicht führen. Sollte das Dach stark verschattet sein, dürfte eine Installation unwirtschaftlich sein und somit die PV-Pflicht entfallen. Als wirtschaftlich nicht vertretbar gilt, wenn die Amortisationszeit der Kosten der PV-Anlage mehr als 20 Jahre beträgt. Dabei spielen Größe, Neigung und Ausrichtung von Dachflächen für die PV-Anlage, Globalstrahlung und Verschattung eine Rolle.

Es gibt keine Mindestgröße der PV-Anlage, allerdings sind PV-Anlagen am wirtschaftlichsten, wenn sie einen Großteil des Eigenbedarfs abdecken.
Als Faustformel gilt: Eigenbedarf in kWh / 1.000 * 2. –> Bei einem Stromverbrauch von 4.000 kWh im Jahr sollte die Anlage mindestens 8 kWp groß sein.

Brandschutzabstände – Wie weit müssen Solaranlagen von Brandwänden entfernt sein?

Nach Hamburgischer Bauordnung (HBauO) muss der Mindestabstand der PV-Anlage zur Brandwand 1,25 Metern betragen. Eine Abweichung nach § 69 HBauO kann beantragt werden, um den Abstand auf 0,5 m zu reduzieren. Weitere Informationen dazu in den FAQ der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt zu § 30 der Hamburgischen Bauordnung. Maßgebend bei der Einhaltung des vorgenannten Abstandes von 0,5 m ist die Außenkante der Brandwand.

Die Stadt Hamburg hat einen übersichtlichen Leitfaden zu Photovoltaik in Hamburg erstellt.

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